Zusammenfassung
Ein Verständnis der Rolle, die die wahrgenommene Quellenglaubwürdigkeit für die Reaktionen von Individuen auf Fehlinformationen spielt, könnte dazu beitragen, die Effekte der Exposition gegenüber Fehlinformationen aufzuklären und Interventionen zur Bekämpfung ihrer negativen Konsequenzen wirksamer zu gestalten. Doch während die Persuasionsforschung zeigt, dass die wahrgenommene Quellenglaubwürdigkeit konsistent Einstellungsänderungen nach der Exposition gegenüber überzeugenden Botschaften vorhersagt, hat die Forschung zu Effekten der Quellenglaubwürdigkeit im Kontext von Fehlinformationen inkonsistente Befunde erbracht. Wir führten eine systematische Übersicht der Fehlinformationsforschung durch, die Effekte der Quellenglaubwürdigkeit untersucht (N Studien = 91, N Teilnehmende = 64.162), und kodierten verschiedene Merkmale einzelner berichteter Effekte (N Effekte = 162), um eine narrative Synthese der Literatur zu erstellen und mögliche Ursachen für inkonsistente Befunde zu identifizieren. Unsere Synthese legt nahe, dass konzeptuelle Faktoren, wie die Konzeptualisierung der Quellenglaubwürdigkeit und ihrer konstituierenden Dimensionen, wenig erforschte Moderatoren sowie methodische Faktoren, wie die Operationalisierung der Quellenglaubwürdigkeit und die Relevanz des Stimulusmaterials, Diskrepanzen bei den Effekten der Quellenglaubwürdigkeit im Kontext von Fehlinformationen erklären könnten. Wir geben Empfehlungen, wie die Quellenglaubwürdigkeit auf systematischere Weise konzeptualisiert und operationalisiert werden kann, und empfehlen vielversprechende Wege für die zukünftige Forschung, die zur Entwicklung dringend benötigter theoretischer Rahmenmodelle für Effekte der Quellenglaubwürdigkeit im Kontext von Fehlinformationen beitragen könnten.Zentrale Erkenntnisse
- Anders als in der Persuasionsforschung ist der Effekt der Quellenglaubwürdigkeit in Fehlinformationsstudien sehr inkonsistent, teilweise weil Studien häufig verschiedene Glaubwürdigkeitsdimensionen (wie Expertise, Vertrauenswürdigkeit und Voreingenommenheit) vermengen oder es versäumen, potenziell entscheidende Aspekte wie die Vertrauenswürdigkeit der Quelle zu untersuchen.
- Die Relevanz der Fehlinformation selbst scheint den Einfluss der Quellenglaubwürdigkeit zu bestimmen; die Übersicht legt nahe, dass Quelleneffekte in Studien mit kürzeren Stimuli (z. B. Social-Media-Beiträge, Schlagzeilen) konsistenter sind als bei längeren Artikeln, bei denen der inhaltliche Gehalt den Einfluss von Quellenhinweisen überlagern kann.
- Die Quellenglaubwürdigkeit ist konsistenter mit kognitiven Ergebnissen (z. B. wahrgenommener Richtigkeit) verknüpft als mit verhaltensbezogenen Ergebnissen (z. B. Teilungsabsichten), und das Forschungsfeld hat es weitgehend versäumt, zentrale Moderatoren aus der Persuasionstheorie zu untersuchen, wie etwa das Ausmaß der kognitiven Elaboration einer Person, das diese Lücke erklären könnte.




















