Zusammenfassung
Netzwerkpsychometrische Ansätze in der klinischen Psychologie zielen darauf ab, die Beziehungen zwischen den Symptomen einer psychischen Störung als Netzwerk zu modellieren. Dieser Ansatz ermöglicht es Forschenden, zentrale Symptome zu identifizieren, die dynamische Struktur einer Störung zu untersuchen und gezielte Interventionsstrategien vorzuschlagen. Bislang wurde jedoch wenig Arbeit geleistet, um die Konsequenzen zweier zentraler Einschränkungen der meisten netzwerkpsychometrischen Modelle zu bewerten: a) dass diese Modelle keinen Schutz vor der Verzerrung durch ausgelassene Variablen bieten und b) dass diese Modelle Messfehler nur selten explizit modellieren. Messfehler oder das Auslassen wichtiger Variablen könnten zu verringerter Teststärke und/oder erhöhten Falsch-positiv-Raten in Bezug auf Hypothesen führen, die innerhalb eines netzwerkpsychometrischen Rahmens getestet werden, so wie es bereits in traditionelleren psychometrischen Modellierungsrahmen der Fall war. In der vorliegenden Studie bewerten wir zwei Methoden zur Schätzung querschnittlicher psychometrischer Netzwerke, EBICglasso und LoGo-TMFG, hinsichtlich ihrer Robustheit gegenüber Messfehlern und der Verzerrung durch ausgelassene Variablen. Wir stellten fest, dass EBICglasso insgesamt tendenziell robuster gegenüber den negativen Auswirkungen ausgelassener/fehlerhaft gemessener Variablen ist und dass sich die relative Leistungsfähigkeit der beiden Methoden bei größeren Netzwerkgrößen tendenziell angleicht. Bemerkenswerterweise veränderte die Stichprobengröße das Ausmaß der Auswirkungen ausgelassener Variablen/von Messfehlern nicht, wobei große Stichproben eine ähnliche Leistung wie kleinere Stichproben zeigten.Zentrale Erkenntnisse
- Netzwerkpsychometrische Modelle sind anfällig für die Verzerrung durch ausgelassene Variablen, was dazu führen kann, dass im Netzwerk unechte Kanten (falsche Verbindungen) auftreten oder echte Verbindungen unterdrückt werden, wodurch letztlich die Struktur des Modells verzerrt wird.
- Messfehler stellen ein weiteres kritisches Problem dar, das nur selten modelliert wird; wird er nicht berücksichtigt, kann dies zu überhöhten Kantengewichten und einer Überschätzung der Netzwerkdichte führen, sodass das Konstrukt stärker vernetzt erscheint, als es tatsächlich ist.
- Diese methodischen Mängel haben schwerwiegende Konsequenzen für die Interpretation, da sie Forschende dazu verleiten können, die "zentralsten" Knoten (z. B. die wichtigsten Symptome einer Störung) fälschlicherweise zu identifizieren, was möglicherweise zu wirkungslosen oder fehlgeleiteten Interventionsstrategien führt.





















