Zusammenfassung
Die sechs Artikel des Sonderhefts „Acculturation Reimagined“ werden besprochen und kommentiert, und einige Lücken in der Literatur werden aufgezeigt. Es werden einige zukünftige Richtungen für die Akkulturationsforschung vorgeschlagen. Erstens ist die Bedeutung hervorzuheben, alle psychologischen Akkulturationsphänomene in einem breiteren Kontext von Gruppenphänomenen zu untersuchen, einschließlich der Merkmale der in Kontakt tretenden Kulturen, der Art ihrer Kontaktbeziehung und der daraus resultierenden Veränderungen in beiden Kulturen. Zweitens müssen alle in Kontakt stehenden Kulturen in die Akkulturationsforschung einbezogen werden, sodass es keinen Anspruch mehr auf eine „fehlende Seite“ der Akkulturation gibt. Drittens müssen wir zwischen Akkulturationsprozessen und -ergebnissen unterscheiden. Dies ist besonders wichtig bei der Erörterung des Konzepts der Integration. Als Prozess umfasst sie Veränderungen im täglichen Verhalten, eine Strategie des doppelten Engagements sowohl in der Herkunftskultur als auch in der größeren Gesellschaft sowie die Bewältigung von Herausforderungen und Belastungen, die im Akkulturationsraum auftreten. Als Ergebnis umfasst sie ein erfolgreiches Leben, das Erreichen psychologischen Wohlbefindens, Kompetenzen im täglichen Leben und positive interkulturelle Beziehungen zu Mitgliedern aller Gruppen. Viertens sollte die zukünftige Forschung berücksichtigen, dass der ‚Fluss‘ zwischen den Akkulturationsphänomenen bidirektional ist, wobei die psychologische Akkulturation in der Lage ist, auf die Phänomene auf Gruppenebene ‚zurückzuwirken‘. Fünftens muss, da Akkulturationsphänomene über die Zeit auftreten, die Frage, wann jedes Merkmal ins Spiel kommt, mit Längsschnittstudien untersucht werden. Sechstens müssen wir uns bei unseren Forschungsmethoden stärker den Sozial- und Geisteswissenschaften zuwenden und weniger auf statistische Methoden konzentrieren, die aus den Naturwissenschaften abgeleitet sind. Schließlich lautet die wichtigste Frage für Politik und Praxis: Was kann die individuellen Anpassungsergebnisse erklären? Wir wissen, dass die Erfahrung von Diskriminierung, sowohl historisch als auch in der Gegenwart, ein starker Prädiktor für eine schlechte psychologische, soziokulturelle und interkulturelle Anpassung ist. Welche anderen Faktoren spielen eine wichtige Rolle? Und wie kann dieses Wissen das Leben aller Menschen verbessern, die interkulturellen Kontakt und Akkulturation erfahren?Wichtigste Erkenntnisse
- Die zukünftige Akkulturationsforschung sollte klar zwischen dem Prozess der Integration (der Strategie, sich sowohl mit der eigenen Herkunftskultur als auch mit der größeren Gesellschaft auseinanderzusetzen) und dem Ergebnis der Integration (dem erfolgreichen Erreichen psychologischen Wohlbefindens und positiver interkultureller Beziehungen) unterscheiden.
- Um eine „fehlende Seite“ zu vermeiden, müssen Akkulturationsstudien alle in Kontakt stehenden Kulturen einbeziehen und anerkennen, dass sowohl dominante als auch nicht-dominante Gruppen in pluralistischen Gesellschaften Veränderungen durchlaufen.
- Forschung mit indigenen Völkern erfordert einen „indigenisierten“ Ansatz, der ihren einzigartigen Status, ihre Rechte und Ziele anerkennt, anstatt sie als nur eine weitere ethnokulturelle Gruppe innerhalb der größeren Gesellschaft zu behandeln.






