Zusammenfassung
Netzwerktheorie und die damit einhergehende Methodik gewinnen als Alternative zu Modellen mit latenten Variablen für die Darstellung und letztlich das Verständnis psychologischer Konstrukte zunehmend an Beliebtheit. Das zentrale Merkmal von Netzwerkmodellen besteht darin, dass beobachtete Variablen (z. B. Symptome einer Depression) einander im Zeitverlauf direkt beeinflussen (z. B. gedrückte Stimmung --> Konzentrationsprobleme), was zu einem miteinander verbundenen dynamischen System führt. Die Dynamik eines solchen Systems kann zu bestimmten Zuständen führen (z. B. einer depressiven Episode). Netzwerkmodellierung wurde auf Querschnittsdaten und intensive Längsschnittdesigns angewendet (z. B. auf Daten, die mittels der Experience-Sampling-Methode erhoben wurden). In diesem Beitrag stellen wir ein Cross-lagged Panel-Netzwerkmodell vor, um auf Itemebene liegende Längsschnitteffekte aufzudecken, die innerhalb von und zwischen Konstrukten auftreten, welche zu einer kleinen Anzahl von Messzeitpunkten erhoben werden. Das vorgeschlagene Modell verwendet eine Kombination aus regularisierter Regressionsschätzung und Strukturgleichungsmodellierung, um autoregressive und cross-lagged Pfade zu schätzen, welche die Effekte beobachteter Komponenten psychologischer Konstrukte aufeinander im Zeitverlauf charakterisieren. Wir demonstrieren die Anwendung dieses Modells anhand von Längsschnittdaten zur Schulverbundenheit und zum Selbstwert von Schülerinnen und Schülern.Wichtigste Erkenntnisse
- Der Beitrag führt das Cross-Lagged Panel Network (CLPN) ein, eine neue Methode zur Analyse von longitudinalen Paneldaten, die direkte prädiktive Beziehungen zwischen einzelnen Items (z. B. Symptomen, Einstellungen) über die Zeit modelliert und damit über traditionelle Ansätze mit latenten Variablen hinausgeht.
- Durch die Analyse einzelner Komponenten kann das CLPN nuancierte „Brückenknoten“ und spezifische Pfade aufdecken (z. B. wie Schulleistung mit dem Gefühl des Selbstwerts zusammenhängt), die von umfassenderen Modellen mit latenten Variablen häufig übersehen werden, und generiert so detailliertere und prüfbare kausale Hypothesen.
- Ein vorgeschlagener zweistufiger l₁-SEM-Schätzansatz, der regularisierte Regression mit Strukturgleichungsmodellierung kombiniert, erweist sich in Simulationen als wirksam bei der Wiederherstellung der wahren Netzwerkstruktur und schneidet besonders gut ab, wenn Beziehungen nicht-stationär sind (d. h. sich über die Messzeitpunkte hinweg verändern).





























