Zusammenfassung
Diese Studie untersucht die Dynamik von Emotionen in der Kommunikation politischer Führungspersönlichkeiten unter Anwendung netzwerkpsychometrischer Methoden auf Daten der Gesichtsausdruckserkennung (Facial Expression Recognition, FER), die aus YouTube-Videos extrahiert wurden. Die Analyse umfasst 220 Videos globaler politischer Führungspersönlichkeiten und verwendet Zero-Shot-Machine-Learning über das R-Paket transforEmotion. Der Fokus liegt auf sechs Emotionen (Freude, Aufregung, Hoffnung, Wut, Angst und Trauer) sowie einem neutralen Ausdruck. Die dynamische explorative Graphenanalyse offenbart eine zweidimensionale Netzwerkstruktur für die FER-Werte und deren Änderungsrate und zeigt unterschiedliche Muster zwischen positiven und negativen Emotionen. Das Modell der ersten Ableitung deutet auf eine negative Korrelation zwischen Wut und den meisten anderen Emotionen hin, was auf einen autonomeren Ausdruck von Wut hindeutet. Signifikante Unterschiede in der Netzwerkstruktur zeigen sich zwischen Führungspersönlichkeiten mit unterschiedlich stark ausgeprägter populistischer Rhetorik. Stärker populistische Führungspersönlichkeiten weisen einen weniger vernetzten und autonomeren Ausdruck von Wut auf, während Freude stärker von anderen Emotionen abhängig wird. In der Diskussion betrachten wir die Universalität der Netzwerkstruktur, die Autonomie des Wutausdrucks sowie die Implikationen der emotionalen Konnektivität innerhalb der geschätzten Modelle. Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für zukünftige computergestützte Studien affektiver politischer Kommunikation, insbesondere im Kontext des weltweit zunehmenden Populismus.Zentrale Erkenntnisse
- In politischen Reden zeigen sich unterschiedliche emotionale Muster. Eine dynamische explorative Graphenanalyse von Gesichtsausdrücken offenbart eine zweidimensionale Netzwerkstruktur, wobei positive und negative Emotionen unterschiedliche Muster des gemeinsamen Auftretens und der Veränderung über die Zeit aufweisen.
- Der Ausdruck von Wut ist bei populistischen Führungspersönlichkeiten autonomer. Mit zunehmender populistischer Rhetorik wird Wut weniger mit anderen Emotionen verknüpft, während Freude stärker vom Ausdruck anderer positiver Emotionen abhängig wird, was auf einen strategischen Einsatz des emotionalen Ausdrucks hindeutet.
- Nonverbale emotionale Dynamiken liefern Einblicke in die politische Kommunikation. Diese Studie zeigt den Nutzen der Anwendung netzwerkpsychometrischer Methoden auf Daten der Gesichtsausdruckserkennung aus Videos, um den emotionalen Gehalt politischer Reden zu analysieren, und eröffnet damit einen neuen Weg für computergestützte Studien affektiver politischer Kommunikation.




