Zusammenfassung
Inmitten multipler Krisen deuten übereinstimmende Berichte darauf hin, dass junge Menschen sich um die Zukunft sorgen. Wie Zukunftsangst jedoch mit den politischen Einstellungen junger Menschen und mit aktiv aufgeschlossenem Denken (actively open-minded thinking) zusammenhängt, bleibt unbekannt und stellt in Zeiten demokratischen Rückschritts und politischer Polarisierung eine entscheidende Forschungslücke dar. In dieser Studie liefern wir erste empirische Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Zukunftsangst, politischen Einstellungen und aktiv aufgeschlossenem Denken bei jungen Menschen, wobei wir die moderierende Rolle von Emotionsregulationsstrategien berücksichtigen, die beeinflussen könnten, wie Zukunftsangst kognitiv verarbeitet wird, und somit deren Implikationen verändern könnten. Unsere präregistrierten Analysen nutzten originäre Querschnittsdaten einer Online-Befragung von N = 988 britischen Jugendlichen (im Alter von 16-21 Jahren) sowie ergänzende konzeptuelle Replikationen anhand von Daten von N = 997 griechischen Jugendlichen, die eine Teilmenge der Messinstrumente der primären britischen Stichprobe umfassten. Die Ergebnisse zeigen, dass Zukunftsangst in unserer britischen Stichprobe am stärksten mit einer stärkeren Unterstützung demokratischer Prinzipien assoziiert ist, wobei dieser Zusammenhang bei Jugendlichen mit hoher kognitiver Neubewertung (cognitive reappraisal) schwächer ausfällt. Sowohl im Vereinigten Königreich als auch in Griechenland war Zukunftsangst zudem mit höherer politischer Partizipation assoziiert. Weiterführende Analysen offenbarten bemerkenswerte geschlechtsspezifische Unterschiede: Nur bei jungen Männern war Zukunftsangst mit einer stärker rechts-konservativen ideologischen Selbsteinordnung assoziiert, ein Muster, das sich in beiden Ländern replizieren ließ. Diese Querschnittsbefunde bilden eine wichtige empirische Grundlage für die Erforschung der psychologischen Einflussfaktoren und Folgen demokratischen Rückschritts sowie der Entwicklung politischer Einstellungen in Zeiten multipler Krisen.Zentrale Erkenntnisse
- In einer präregistrierten Studie mit 988 britischen Jugendlichen war Zukunftsangst am stärksten mit einer erhöhten Unterstützung demokratischer Prinzipien assoziiert (beta = .29, 95%-KI [.23, .35]). Entgegen Narrativen vom demokratischen Rückschritt waren jene jungen Menschen, die sich am meisten um die Zukunft sorgten, zugleich diejenigen, die gleiche Rechte und politischen Pluralismus am stärksten unterstützten.
- Kognitive Neubewertung (cognitive reappraisal; eine Strategie der konstruktiven Neuinterpretation von Situationen) moderierte den Zusammenhang zwischen Zukunftsangst und der Unterstützung demokratischer (β = -.23, 95%-KI [-.34, -.12]) sowie autoritärer Prinzipien (β = -.17, 95%-KI [-.29, -.06]). Bei Jugendlichen mit geringer kognitiver Neubewertung zeigte Zukunftsangst einen positiven Zusammenhang mit Autoritarismus, während dieser Zusammenhang bei Jugendlichen mit hoher kognitiver Neubewertung negativ wurde. Der Zusammenhang zwischen Zukunftsangst und der Unterstützung demokratischer Prinzipien war positiv, wenn Jugendliche geringe Werte in kognitiver Neubewertung aufwiesen, näherte sich jedoch null an, wenn sie hohe Werte aufwiesen.
- Explorative Analysen sowohl im Vereinigten Königreich (N = 988) als auch in Griechenland (N = 997) offenbarten eine bemerkenswerte geschlechtsspezifische Divergenz. Nur bei jungen Männern war Zukunftsangst mit einer Verschiebung hin zu einer rechts-konservativen Ideologie (UK: β = .17, 95%-KI [.09, .26]; Griechenland: β = .16, 95%-KI [.08, .25]) und einer höheren Unterstützung autoritärer Prinzipien (UK: β = .31, 95%-KI [.23, .40]) assoziiert, während diese Zusammenhänge bei jungen Frauen nicht signifikant waren.



