Zusammenfassung
Die Fehlinformationsforschung ist von widersprüchlichen Befunden und wissenschaftlichen Debatten durchzogen: Wirken beispielsweise Genauigkeits-Prompts bei Liberalen und Konservativen gleichermaßen? Beeinflussen bestimmte Persönlichkeitsaspekte, etwa Gewissenhaftigkeit, das Teilen von Fake News? In der vorliegenden Arbeit konzentrieren wir uns auf die Ursachen dieser Debatten und darauf, wie sie sich auflösen lassen. Darüber hinaus tragen wir zur konkreten Debatte über die Rolle der Gewissenhaftigkeit beim Teilen von Fake News bei, indem wir 12 Studien mit insgesamt 6.790 Teilnehmenden und 143.956 Beobachtungen erneut analysieren. Wir zeigen auf, wie die methodischen Entscheidungen von Forschenden zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen können. Wir finden, dass Gewissenhaftigkeit den positiven Effekt einiger, aber nicht aller Maße der Ideologie bei der Vorhersage des Teilens von Fake News moderiert. Diese Untersuchung offenbart die Bedeutung von Faktoren wie dem Ideologiemaß, dem analytischen Ansatz und der Auswahl der Nachrichtenstimuli für das Zustandekommen unterschiedlicher Schlussfolgerungen. Wir schlagen daher einen Rahmen vor, um die Rolle dieser Faktoren zu identifizieren und abzumildern, um eine schnellere Konvergenz in der Fehlinformationsforschung zu fördern. Schließlich zeigen wir, dass eine Variable nicht mit dem Wahrheitsgehalt von Nachrichten interagieren muss, um für das Verständnis der Verbreitung von Fake News von Bedeutung zu sein. Damit bietet diese Arbeit eine neuartige Perspektive auf die Konzeptualisierung möglicher Interventionen in der Fehlinformationsforschung.Zentrale Erkenntnisse
- Eine groß angelegte erneute Analyse von 12 Studien (Gesamt-N = 6.790; 143.956 Beobachtungen) stützt die Annahme, dass Gewissenhaftigkeit ein negativer, aber stark heterogener Prädiktor für das Teilen von Fake News ist. In den L&K-Datensätzen betrug die metaanalytische Korrelation r = -.22 (p < .001) mit einer I²-Statistik von 99,1 %, und in den LRP-Datensätzen r = -.08 (p = .005) mit einer I²-Statistik von 95,8 %. Dieser Befund belegt, dass höhere Gewissenhaftigkeit das Teilverhalten über diverse Stichproben hinweg reduzieren kann, dass jedoch der Kontext eine Rolle spielt.
- Eine Spezifikationskurvenanalyse hilft, die Debatte darüber aufzulösen, ob Gewissenhaftigkeit den Zusammenhang zwischen Ideologie und Teilen moderiert. Über 35 verschiedene analytische Spezifikationen hinweg ergaben 21 Modelle statistisch signifikante Interaktionseffekte (p < .05), insbesondere für Parteilichkeitsmaße wie Wärme gegenüber Republikanern, wobei Gewissenhaftigkeit die Tendenz zum Teilen von Fehlinformationen signifikant abschwächte.
- Die Studie zeigt, dass spezifische psychologische Profile den Großteil der Verbreitung von Fehlinformationen antreiben. In den L&K-Stichproben machten Konservative mit geringer Gewissenhaftigkeit (Low Conscientiousness Conservatives, LCCs) 34,9 % aller Fake-News-Teilungen aus, obwohl sie nur 16,8 % der Population ausmachten. Simulationen deuten darauf hin, dass eine Veränderung des Teilverhaltens dieser Gruppe den Anteil gefälschter Nachrichten im Ökosystem um etwa 33 % senken könnte.



