Zusammenfassung
Parteipolitische Fehlinformationen untergraben die Fähigkeit der Menschen, Entscheidungen auf Grundlage zutreffender Informationen zu treffen, und stellen eine Bedrohung für die Demokratie und liberale Werte dar. Aktuelle Interventionen zur Bekämpfung von Fehlinformationen sind bei politisch polarisierenden Inhalten weniger wirksam, insbesondere bei extremen Parteianhängern, die die meisten Fehlinformationen verbreiten. Eine neue Forschungsrichtung legt nahe, dass Crowdsourcing-Interventionen – also die Nutzung der Urteile von Laien, um Menschen beim Erkennen von Fehlinformationen zu unterstützen – eine zusätzliche Ebene der Inhaltsmoderation bieten, die dazu beitragen kann, diese Einschränkungen zu überwinden. Wir stellen ein Modell vor, das erklärt, wann Crowdsourcing-Interventionen erfolgreich sein werden, und zwar auf Grundlage dreier Faktoren: Vertrauen in Faktenprüfungsquellen, Dissonanz mit früheren Überzeugungen und Größe der Crowd. Diese drei Faktoren stehen in politisch polarisierten Social-Media-Umgebungen oft im Widerspruch zueinander, in denen vertrauenswürdigere Quellen möglicherweise weniger bereit sind, dissonante Meinungen zu äußern, was zu kleineren Faktenprüfungs-Crowds führt. Auf Grundlage dieses Modells erörtern wir, wie Crowdsourcing-Interventionen auf eine Weise skaliert werden könnten, die ethisch vertretbar ist und Methoden der Netzwerkanalyse nutzt, um Menschen mit benachbarten Gemeinschaften außerhalb ihrer ideologischen Echokammern zu verbinden. Schließlich schlagen wir Ansatzpunkte für zukünftige Forschung im Bereich der Crowdsourcing-Interventionen vor, die an der Schnittstelle zwischen Lösungen auf individueller Ebene und auf Systemebene für parteipolitische Fehlinformationen liegen.Wichtigste Erkenntnisse
- Crowdsourcing kann ein wirkungsvolles Instrument zur Bekämpfung parteipolitischer Fehlinformationen sein, doch sein Erfolg hängt vom Ausbalancieren dreier Schlüsselfaktoren ab: der Erzeugung kognitiver Dissonanz mit vorherigen Überzeugungen, der Sicherstellung von Vertrauen in die Faktenprüfungsquellen und einer ausreichend großen Crowd.
- Um extreme Parteianhänger, die am ehesten Fehlinformationen verbreiten, wirksam zu erreichen, sollten Interventionen Quellen von außerhalb der unmittelbaren ideologischen Blase der Nutzer verwenden – jedoch nicht so weit entfernt, dass sie vollständig abgetan werden (der Ansatz "Zwei Schritte entfernt").
- Obwohl vielversprechend, erfordert die Skalierung dieser Interventionen eine sorgfältige Abwägung möglicher Herausforderungen, etwa wie Faktenprüfer gekennzeichnet werden können, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben, und wie diese Strategien an unterschiedliche kulturelle Kontexte und Social-Media-Plattformen angepasst werden können.















