Zusammenfassung
Es gibt zunehmend Belege dafür, dass intellektuelle Demut mit einer verringerten Anfälligkeit für Fehlinformationen einhergeht. Ein zentraler Aspekt intellektueller Demut ist jedoch das Bewusstsein für die eigenen Grenzen, was zu einem vorsichtigeren Antwortverhalten führen kann (z. B. die Tendenz, Schlagzeilen als falsch einzustufen oder Antworten zurückzuhalten, unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Schlagzeile oder der Richtigkeit der Antwort). Daher wurde in der vorliegenden Studie die Signalentdeckungstheorie herangezogen, um Unterscheidungsfähigkeit und Antwortverzerrung zu entflechten und die Zusammenhänge zwischen intellektueller Demut, der Unterscheidungsfähigkeit gegenüber Fehlinformationen und der metakognitiven Unterscheidungsfähigkeit (d. h. der Fähigkeit, zwischen eigenen richtigen und falschen Antworten zu unterscheiden) zu untersuchen. Die Teilnehmenden (N = 246) beurteilten den Wahrheitsgehalt von 60 Nachrichtenschlagzeilen (30 wahr, 30 falsch; Unterscheidungsfähigkeit gegenüber Fehlinformationen) und entschieden, ob sie jedes Wahrheitsurteil abgeben oder zurückhalten wollten (metakognitive Unterscheidungsfähigkeit). Die Teilnehmenden bearbeiteten außerdem drei Skalen zur intellektuellen Demut. Intellektuelle Demut stand in Zusammenhang mit einer besseren Unterscheidungsfähigkeit gegenüber Fehlinformationen und einer besseren metakognitiven Unterscheidungsfähigkeit, nicht jedoch mit Antwortverzerrung. Diese Befunde legen nahe, dass intellektuelle Demut aufgrund einer verbesserten Unterscheidung zwischen wahren und falschen Behauptungen und nicht aufgrund von Antwortverzerrung mit einer verringerten Anfälligkeit für Fehlinformationen verbunden ist. Darüber hinaus stützt der Befund, dass selbstberichtete intellektuelle Demut positiv mit metakognitiver Unterscheidungsfähigkeit zusammenhängt, die Validität der Skalen zur intellektuellen Demut. Insgesamt heben die Ergebnisse die Vorteile intellektueller Demut hervor und legen nahe, dass künftige Forschung untersuchen sollte, ob Interventionen zur Steigerung intellektueller Demut ein wirksamer Ansatz zur Bekämpfung von Fehlinformationen sind.Zentrale Erkenntnisse
- In einer Studie mit 246 US-amerikanischen Teilnehmenden war intellektuelle Demut mit einer größeren Fähigkeit verbunden, wahre und falsche Nachrichtenschlagzeilen zutreffend zu unterscheiden (Typ-1-d'), mit Korrelationskoeffizienten zwischen r = .28 und r = .48 (p < .001) über verschiedene Maße hinweg. Entscheidend ist, dass die Analyse mittels Signalentdeckungstheorie bestätigte, dass diese Leistung nicht auf eine konservative Antwortverzerrung (Typ-1-C) zurückzuführen war, da eine Bayes'sche Analyse moderate Belege für die Nullhypothese lieferte (Bayes-Faktoren zwischen 0,17 und 0,43), was darauf hinweist, dass intellektuell demütige Personen nicht einfach nur allen Behauptungen gegenüber skeptischer sind.
- Die Forschung belegt einen signifikanten Zusammenhang zwischen intellektueller Demut und metakognitiver Unterscheidungsfähigkeit (Typ-2-d'), was bedeutet, dass Personen mit höherer intellektueller Demut besser darin sind, die Richtigkeit ihrer eigenen Urteile einzuschätzen. Die Analyse ergab positive Korrelationen zwischen den Werten intellektueller Demut und der Fähigkeit, die eigenen richtigen von den falschen Antworten zu unterscheiden (r = .19 bis .25, p < .005), was die Validität selbstberichteter intellektueller Demut als Marker für echtes kognitives Bewusstsein untermauert.
- Unter den getesteten Maßen war die Skala Actively Open-Minded Thinking about Evidence (AOT-E) der stärkste Prädiktor für die Unterscheidungsfähigkeit gegenüber Fehlinformationen (r = .48) und übertraf die General-Intellectual-Humility-Skala deutlich. Dies deutet darauf hin, dass die spezifische Facette intellektueller Demut, die mit der kritischen Prüfung von Belegen und der Bereitschaft, Überzeugungen zu aktualisieren, zusammenhängt, der entscheidendste Faktor für die Widerstandsfähigkeit gegenüber Fehlinformationen ist.




















