Zusammenfassung
Stellen Sie sich vor, Sie verpflichten sich, 24 Stunden lang nicht online zu gehen. Wie würden Sie sich fühlen? Und wird Ihre Abkopplungserfahrung dadurch beeinflusst, in welchem Ausmaß Sie an Verschwörungstheorien glauben? In zwei Studien luden wir Teilnehmende ein, sich für 24 Stunden von allen digitalen Medien und Online-Inhalten abzukoppeln (z. B. internetbasiertes Fernsehen, Radio, digitale Zeitungen, Smartphones und Social-Media-Apps). In einer chinesischen Stichprobe (Studie 1, N = 97) stellten wir fest, dass sich weniger sozial unterstützt und stärker isoliert zu fühlen während der Abkopplungserfahrung die positiven Emotionen nicht beeinflusste und dass die Abkopplung mit mehr negativen Emotionen und geringerer Lebenszufriedenheit verbunden war. Dieser Zusammenhang wurde für negative Emotionen in einer australischen Stichprobe (Studie 2, N = 102) repliziert. Darüber hinaus fanden sich in beiden Studien Hinweise darauf, dass ein stärkerer Glaube an Verschwörungstheorien mit mehr negativen Emotionen während der Abkopplungserfahrung verbunden war. Höhere soziale Isolation und geringere soziale Unterstützung vermittelten den Zusammenhang zwischen Verschwörungsüberzeugungen und negativen Emotionen während der Abkopplung. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ein Teil des Grundes, warum Menschen die Abkopplung negativ empfinden, darin besteht, dass sie sich von sozialer Unterstützung abgeschnitten fühlen — eine aversive Erfahrung, die besonders bei jenen verbreitet ist, die Verschwörungstheorien in stärkerem Maße anhängen.Wichtigste Erkenntnisse
- In zwei unabhängigen Studien (Gesamt-N = 199) berichteten Personen mit höheren Werten für Verschwörungsmentalität während eines 24-stündigen digitalen Detox signifikant mehr negative Emotionen. In der chinesischen Stichprobe (N = 97) korrelierte die Verschwörungsmentalität stark mit Gefühlen sozialer Isolation (r = .47, p < .001). Dieser Befund replizierte sich in der australischen Stichprobe (N = 102), war jedoch etwas schwächer (r = .20, p < .05).
- Die Untersuchung identifiziert einen Mangel an sozialer Unterstützung als primären psychologischen Mechanismus, der mit diesem Belastungserleben verbunden ist. Die Daten weisen auf einen robusten Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und negativen Emotionen während der Abkopplung hin, mit einem Korrelationskoeffizienten von r = .66 (p < .001) in der chinesischen Stichprobe und r = .83 (p < .001) in der australischen Stichprobe.
- Dieser Zusammenhang war über zwei unterschiedliche kulturelle Kontexte hinweg konsistent, eine chinesische (kollektivistische) und eine australische (individualistische) Stichprobe, was darauf hindeutet, dass die Verbindung zwischen Verschwörungsdenken und der Belastung durch das Offline-Sein nicht kulturspezifisch ist.













