Zusammenfassung
Dieser Beitrag antwortet auf die Kritik von Horgan und Shayler (2026) an der Metapher des „Salatbar-Extremismus“ und den damit verbundenen Konzepten. Obwohl die Hauptanliegen der Autoren (epistemologische Verwirrung, ontologische Unbestimmtheit und empirische Knappheit) durchaus nachvollziehbar sind, argumentiert diese Erwiderung, dass jedes davon überzeichnet ist. Auch wenn zusammengesetzte extremistische Weltanschauungen schon immer existiert haben und traditionelle radikale Ideologien weiterhin dominieren, argumentieren wir dennoch, dass hybrider Extremismus ein sich tatsächlich verstärkendes Phänomen ist, das durch schrittweise präzisere Konzepte erfasst wird, in tiefgreifenden gesellschaftlichen Verschiebungen wurzelt und durch gut dokumentierte kausale Mechanismen hervorgebracht wird.Wichtigste Erkenntnisse
- Der Kommentar stellt die These infrage, dass „Salatbar-“ bzw. hybrider Extremismus lediglich ein Messartefakt sei. Baele (2026) argumentiert, dass zwar ideologische Kreuzbestäubung schon immer existiert habe, es jedoch echte Belege sowohl für eine Intensivierung als auch für eine qualitative Veränderung dessen gebe, wie Hybridität aussieht, und verweist auf Figuren wie Ethan Miller oder Solomon Henderson, deren „Manifeste“ islamfeindliche, antisemitische, antikapitalistische und technikfeindliche Ideationen vermengen, die sich nicht mit historischen Ideologen in Einklang bringen lassen.
- Offizielle Daten offenbaren eine auffällige Verschiebung der Meldungsmuster. Im britischen Prevent-Programm stieg die Kategorie „gemischt, instabil oder unklar“ von 11 % der Meldungen in den Jahren 2016/17 auf 51 % in den Jahren 2019/20, und bis März 2025 dominierte die Kategorie „keine Ideologie“ mit nahezu 5.000 Meldungen. Zugleich zeigen US-Daten, dass radikalisierte junge Menschen ohne formelle Gruppenbindungen über zehn Jahre hinweg um 311 % zunahmen und die internetgetriebene Radikalisierung bei unter 30-Jährigen zwischen 2010 und 2020 um 413 % anstieg.
- Baele (2026) verortet hybriden Extremismus innerhalb umfassenderer gesellschaftlicher Entwicklungen, statt ihn als isoliertes Rätsel zu behandeln. Er verbindet zunehmende ideologische Idiosynkrasie mit der „flüssigen Moderne“, mit suchterzeugenden Affordanzen sozialer Medien, mit ausgedehnter staatlicher Überwachung, die organisierten Extremismus behindert, sowie mit einem wachsenden Pool von (überwiegend jungen, männlichen) Personen, die primär von der Gewalt selbst angezogen werden und ihren Missständen erst später einen dünnen ideologischen Anstrich verleihen.










