Zusammenfassung
Traditionell war interkultureller Kontakt durch räumliche Nähe eingeschränkt, doch der zunehmende Zugang zu und die Nutzung digitaler Technologien haben Barrieren abgebaut und dazu geführt, dass interkulturelle Beziehungen zunehmend digital vermittelt werden. Technologie hat die Akkulturationserfahrungen und -ergebnisse von Migrantinnen und Migranten, Geflüchteten und internationalen Studierenden verändert, die während ihrer Migrationsreisen auf enorme Informationsmengen zugreifen, unabhängig von ihrem Standort nahezu synchronen Kontakt zu ihrem Herkunftsland aufrechterhalten und sich mit Einzelpersonen und Gruppen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Aufnahmekultur verbinden können. Es gibt eine wachsende Literatur zu den Auswirkungen sozialer Medien auf die kulturelle Anpassung und zu den Interaktionen von Diaspora-Gemeinschaften im Internet, doch mangelt es an Forschung, die diese Erkenntnisse in die umfassendere Akkulturationsliteratur zu integrieren sucht. Dieser narrative Überblick geht auf diese Lücke ein und untersucht drei Fälle digital vermittelter Akkulturation bei verschiedenen Migrantengruppen und Arten digitaler Technologie: (1) Mobiltelefone auf den Migrationsreisen von Geflüchteten und Asylsuchenden, (2) soziale Medien und die akkulturative Anpassung internationaler Studierender sowie (3) digitale Diasporas und die Erfahrungen von Migrantengruppen. Die Ergebnisse verdeutlichen nicht nur den Einfluss digitaler Technologien auf die Akkulturationserfahrungen und Anpassungsergebnisse von Migrantinnen und Migranten, sondern weisen auch auf zentrale Fragen und Möglichkeiten für die künftige Akkulturationsforschung hin.Kernaussagen
- Für Geflüchtete und Asylsuchende dienen Mobiltelefone als unverzichtbare Werkzeuge für Sicherheit, Orientierung und die Aufrechterhaltung sozialer Verbindungen während ihrer Migrationsreisen; sie bergen jedoch auch Risiken wie Überwachung, Ausbeutung und den Stress ständiger Erreichbarkeit.
- Internationale Studierende nutzen soziale Medien, um sowohl bindendes Sozialkapital (Aufrechterhaltung von Verbindungen zur Herkunftskultur) als auch überbrückendes Sozialkapital (Knüpfen neuer Kontakte in der Aufnahmekultur) aufzubauen, was die psychologische Anpassung unterstützen kann, aber auch zu höherem Stress führen kann, wenn es das Engagement mit der Aufnahmegesellschaft behindert.
- "Digitale Diasporas" verändern die Akkulturation, indem sie es Migrantengemeinschaften ermöglichen, transnationale Identitäten aufrechtzuerhalten, sich an der Politik ihres Herkunftslandes zu beteiligen und globale Netzwerke im Internet aufzubauen, was ihr Zugehörigkeitsgefühl und ihre Integration in ihren Aufnahmeländern beeinflussen kann.













